200 Jahre

200 Jahre
von Stefan Sprang

Herzlich willkommen in der “Putin Foundation für mehr Langlebigkeit”. Ja, ja, ja, es klingt etwas, wie soll ich sagen, „knotig“, uneben, höckerig, irgendwie ja, irgendwie doof, oder? Im Russischen hört es sich viel schöner an, da ist es Musik in unseren Ohren, da ist es große Oper.

“Fond” (geschlossenes u) “Putina za” (weiches z) “uvelitschenie” (Betonung auf zweitem e) “prodolzhitelnosti” (weiches sch, Betonung auf i) “zhizni” (Betonung auf dem ersten i)”

Aber egal wie rum, dass Ergebnis ist am Ende – hoffentlich – dasselbe. Also, willkommen, mein Name ist Thilo Matschke.

Ich bin 1 Meter 70 groß, wiege etwa 65 Kilo. Meine wirkliche Schuhgröße ist 41einhalb. Meine Haarfarbe ist dunkelbraun … Also … dunkelbraun mit ganz leichtem Stich ins Graue. Meine Augenfarbe ist unverändert Grün. Ich habe nach gewissen Irrungen und Wirrungen in Großbritannien, wie älteren erinnern uns noch, was das war, Pre-Brexit, also in Großbritannien, eine „Allgemeine Zirkustheaterausbildung“ begonnen. Diesen Weg habe ich entschlossen weiter verfolgt. Von Beruf bin ich Clown. Ich habe aber auch Werbung gemacht für „Schnitzel Sahne Sauce“. Später habe ich in einem kleinen Theater in Essen im Ruhrgebiet als Schauspieler und Regisseur gearbeitet. Das „Theater Essen-Süd“. Wenn es das noch gibt, kann ich das nur empfehlen. Gehen Sie da mal hin.

Ich kann Deutsch, Englisch, Schlittschuh, Inline-Skating, Tischtennis, Tennis, Fußball, Volleyball, Fahrrad, Einrad, Hocheinrad, Jonglage, Schach, Windsurfen, KEIN Messerwerfen, Auto, Mofa, Pfeifen, Schreiben, Lesen und Schwimmen, aber nur ab 37 Komma 45 Grad. Blutdruck und Cholesterinwerte unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht …

Und gestern bin ich neunzig Jahre alt geworden. Das ist doch einen Applaus wert, oder?

Stefan Sprang, hat Thilo Matschke ein Stück auf den Leib geschrieben. In 200 Jahre geht es um einen alternden Clown, der im Jahr 2050, in Moskau, in einer Zelle auf seine Gentherapie wartet, um sich verjüngen zu lassen. Science Fiction? Um Gottes Willen, nein. Wenn der Mensch eins will, dann ist es Gott spielen. Wie lange wollen wir leben? Stefan Sprangs Text handelt von Langlebigkeit, vom Jugendwahn, vom älter werden und vom Zeit anhalten. In Kombination mit einem Clown, dessen Figur zeitlos bleibt, stellen wir die Frage, ob man wirklich irgendwann die Ausfahrt verpasst, wenn man nicht wachsam bleibt. Und wie wird man eigentlich zeitlos, wie Charles Chaplin, Buster Keaton, oder Woody Allen?

Mit Thilo Matschke

Regie/Dramaturgie: Raphael Batzik
Text: Stefan Sprang